Geschichtliches

Der Name Recht taucht erstmals im Jahr 670 in einer Urkunde als Refta auf (Grenzziehung der Abtei Stavelot von 670).

[…deinde per Amblavam insus aquam per illam forestem de Vulfeberto usque Rarobacco ubi ipse consurgit deinde ubi Didiloni rivus consurgit deinde per ipsum rivum usque in Reftam de Refta per illam forestem, quae separat Helmini roboretum et Audastviller…]

Bezeichnet wird hier allerdings der Bachlauf, der die Grenzlinie zwischen den Diözesen Tongeren (Lüttich) und Köln bezeichnete.  Es ist jedoch durchaus möglich, dass diese Grenzlinie schon die römischen Stadtstaaten Civitas Tungrorum (Tongeren) und Colonia Claudia Ara Agrippiniensium (Köln) trennte.  Der preußische Kreisschulinspektor Quirin Esser vermutete sogar, dass der Name Recht keltischen Ursprungs sei (Rectogilum).  Die Ortschaft Recht ist aber späteren Ursprungs und alte Siedlungsplätze liegen nachweislich um Recht herum, so Audastviller, Mafa, die Burg oder Hunnert.

Recht selbst erscheint erstmals im Jahr 1380 im Licht der Geschichte und zwar befand sich das Dorf damals im Bestiz eines Ponce von Welchenhausen.  Danach gelangte Recht an die Herren von St.Vith.  Recht war bis 1795 eine Meierei, ein ländlicher Verwaltungsbezirk, der das Dorf Recht sowie das Gebiet von Ligneuville und Pont links der Amel umfasste.  Das Gebiet rechts der Amel war Abteigebiet. 

Das Gericht von Bütgenbach hatte über alle Zivil- und Kriminalfälle in Recht zu urteilen.  Der Hof Bütgenbach grenzte zwar nirgenwo an das Gebiet der Meierei Recht, aber der Grundherr Bütgenbachs (Sponheim, später Nassau) war der gleiche wie in St.Vith.

Die Pfarre Recht war die einzige Öslingpfarre, die das Kloster Malmedy nicht zu vergeben hatte.  Der Rechter Pfarrer unterstand dem Dekanat Zülpich und wurde vom Grafen von Nassau ernannt; die Nassauer besaßen auch die Herrschaften St.Vith und Bütgenbach.  Im 15. Jhd. findet sich die erste urkundliche Erwähnung einer Kapelle in Recht.  Ehe Recht eine eigene Kirche hatte, gehörte der Bereich zur Pfarre Amel.

Patronin der Kirche ist die Hl. Aldegundis (Adelgunde), eine Heilige der merowingischen Zeit, gestorben i.J. 684.  Aldegundis wurde z.Zt. des Königs Dagobert I. geboren und hat später das Kloster Maubeuge / Sambre (N-Frankreich) gegründet.  Ihr Namensfest wird am 30. Januar begangen und sie wird verehrt als Patronin gegen Krebserkankungen, gegen plötzlichen Tod und gegen Kinderkrankheiten.

Von der Kirchenanlage des 15.-16. Jhd. sind Turm und Chor erhalten.  Im J. 1753 wurde ein neues Langhaus errichtet und 1771 wurde der Turm mit seiner jetzigen Haube versehen.  Im J. 1898 wurde die Sakristei an der Nordseite angefügt und 1925 wurde die Kapelle in der Gegenrichtung erweitert.  Einige Kirchenfenster sind mit Jahreszahlen versehen:

  • 1612: erster ständig in Recht ansässiger Pfarrer
  • 1742: erinnert an das Ende der Amtszeit von Pfarrer Stefani, des einzigen Rechter Pfarrers, der aus dem Dorf selbst stammte. Ihm folgte Pfr. Peters (stammte aus Valender), in dessen Amtszeit die Kirche umgebaut wurde
  • 1753: Kirchenbau mit bedeutenden Steinmetzarbeiten. Die ursprüngliche kleine  Kapelle wurde um das Langhaus erweitert.

Das Kirchenfenster mit dem Wappen der Rolshausen erinnert an die Tatsache, dass diese Familie als Rentmeister der Nassauer in Recht die Grundherrlichkeit vertraten.

Das Pfarrhaus wurde 1788 unter Pfarrer Heinrich Schmitz (Biwisch) erbaut. Kunstvolle Türrahmen mit Segensprüchen kennzeichenen das Haus.

Eingangstür: „Diese beiden Heiligen sind die Eltern, die mich hervorgebracht haben. Dankbaren Hauptes will ich stehen und sie verehren.“  Bei den beiden Heiligen handelt es sich um die Rechter Pfarrpatrone Aldegundis und Eligius. 

Seitentür: „Weiche Satan. Im Namen Jesu erhebe ich mich und werde stehen, und ich sorge mich nicht, Aeolus, um deine Zornesausbrüche.“

Diese Gegend war schon immer Grenzgebiet zwischen größeren und kleineren Herren : der Bennevis-Bach, der nach 2.400 Metern bei der Ochsenbaracke in den Rechter Bach mündet, bildete die Grenze zwischen der Abtei Stavelot-Malmedy und dem Königshof Thommen. Bennevis bedeutet übrigens Bannwiese. Kleinere Grenzsteine (1768) markierten die Grenze zwischen der Grafschaft Salm und dem Hof Thommen. Leider sind heute nur mehr wenige der insgesamt 40 kleinen Grenzsteine erhalten, die eine Salmer Enklave im Thommener Gebiet markierten.  In dieser Gegend berühren sich also die romanische und die germanische Kultur. 

Der „Ochsenweg“ führte zur „Ochsenbaracke“, eine ehemalige Herberge mit Rastplatz.  Von dort führte der Weg den Berg (Bambusch und Hunnert) hinauf.  Auf diesem Weg transportierten die Bauern die Lohe mit Ochsengespannen aus dem Norden Luxemburgs zu den Lederfabriken Stavelots und Malmedys.   Unweit dieses Weges begegnen uns die Grenzsteine der ehemaligen preußisch-belgischen Grenze: die Steine Nr. 108, 109 und 110 markieren hier die Staatsgrenze, wie sie im Aachener Vertrag von 1816 festgelegt wurde.  Die steinernen Zeugen wurden in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgerichtet.

Wohl keine Ortschaft unserer Gegend ist so mit dem Schiefer verbunden wie Recht.  Schon sehr früh wurde im Rechter Berg Schiefer abgebaut. Dies bezeugen die meist in Friedhofsmauern eingebauten Kreuze mit den etwas grob eingemeisselten Jahreszahlen aus dem 17. Jahrhunderts.  Der Flurname „Zum Stein“ belegt, dass die ersten Schiefergruben in der Nähe des Dorfes angelegt wurden. Erst später wurde das Gebiet am Rande des Emmelser Waldes, der Feckelsborn,  erschlossen und allmählich siedelten hier diejenigen, die hauptberuflich als Steinhauer tätig waren. Noch heute sind ebenerdige Schieferguben hier zu finden.  Die Bearbeitung des Blausteins änderte sich ab 1725. In dieser Zeit ließen sich vier Tiroler aus dem Patznauntal in Recht nieder und legten den Grundstein zur Rechter Steinmetztradition. 

Quelle  :  Königlicher Geschichts- und Museumsverein „Zwischen Venn und Schneifel“