Vortragsabend „Gold in Ostbelgien“ am 6. April im Kulturhaus in Recht

Mitteilung des Schieferstollen Recht

 

Goldrausch in Ostbelgien – Dr. Thomas Servais und Hermann-Josef Giesen referieren am 6. April im Kulturhaus in Recht.

Recht bald im Klondike-Feeling?

“Von Gerd Hennen, GrenzEcho Ausgabe vom 22. März 2019”

 

Recht.- Zahlreiche Mythen und faszinierende Geschichten ranken sich um das Gold, aber seine Entstehungsgeschichte ist unvorstellbar und spektakulär. Gold ist seit jeher ein Symbol für Reichtum und Macht. In den Heiligtümern und Gräbern aller großen Zivilisationen findet sich das Edelmetall in unglaublichen Mengen durch Handwerkskunst reich verziert und mit funkelnden Edelsteinen bestückt. Und auch bis in die Neuzeit hinein hat Gold eine erhebliche Rolle für Macht und Einfluss inne. Als wertbeständiges Zahlungsmittel seit Jahrtausenden geschätzt, wurden die Geldwährungen der Länder noch bis zum Jahr 1971 durch den sogenannten Goldstandard abgesichert. Die Menge allen Goldes auf unserem Planeten wird mit rund 190.000 Tonnen angegeben, was einen Würfel mit einer Kantenlänge von rund 21 Metern ergeben würde.  Denkt man bei Gold sofort an die Goldrush-Abenteuer-Geschichten des Klondike, hat es auch in Ostbelgien seit jeher eine Suche der Menschen nach dem Edelmetall gegeben. 

 

Am 6. April kommt es im Kulturhaus in Recht in diesem Zusammenhang zu einem interessanten Vortragsabend, bei dem der renommierte Geologe Prof. Dr. Thomas Servais zusammen mit dem Buchautoren und Historiker Hermann-Josef Giesen zu einer abenteuerlichen und zugleich informativen Entdeckungsreise  einlädt. 

 

Das Grenzecho hatte die Gelegenheit, beide Protagonisten im Vorfeld zu interviewen.

 

 

Wie kamen Sie auf die Idee, über den ostbelgischen „Goldrush“ zu schreiben und zu recherchieren? 

 

Hermann-Josef Giesen:  Seit etwa 20 Jahren interessiere ich mich für die ostbelgischen Goldvorkommen. Da kommt man zwangsläufig mit der Geschichte des ostbelgischen „Goldrushs“ in Berührung. Irgendwann musste ich allerdings feststellen, dass hinsichtlich der in der Literatur gemachten Angaben zur Geschichte des „Goldrushs“ einiges nicht stimmen konnte. Das machte mich neugierig und beflügelte mich, eigene Recherchen anzustellen. Dabei kamen Dinge ans Tageslicht, die gänzlich neu waren. Am Ende meiner Recherchen stand der Wunsch, die über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren gesammelten Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

 

Woher haben Sie Ihre Infos bezogen?  Gibt es detaillierte Quellen in Archiven?

 

Hermann-Josef Giesen: Wesentliche Quellen waren neben den Beständen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen in Duisburg die Bestände des Staatsarchivs Eupen und darüber hinaus die digitalisierten Zeitungsarchive der Universitäten Köln und Bonn sowie der Staatsbibliothek Berlin. Weitere Recherchen führten mich nach Düsseldorf, Mönchengladbach, Frankfurt a.M. und sogar München.

 

 

War die ostbelgische Goldsuche ein Wirtschaftszweig, „Hoffnung in der Not“ oder eher ein Trugschluss?

 

Hermann-Josef Giesen: Ich denke, dass man um das Jahr 1900 herum die Goldsuche als Chance für einen sonst eher ärmlichen Landstrich sah. Die Goldsuche endete freilich als Trugschluss.

 

 

Gibt es Hinweise auf große Funde und Reichtum?

 

Hermann-Josef Giesen: Nein, niemand ist durch ostbelgisches Gold reich geworden. Im Gegenteil, einige Investoren und Spekulanten haben dabei sehr viel Geld verloren.

 

 

Wie sieht das Goldvorkommen Ostbelgiens aus geologischer Sicht aus?  Handelt es sich um „hochwertiges Material“?

 

Hermann-Josef Giesen: Die Goldvorkommen Ostbelgiens sind aus geologischer Sicht eher als arm zu bezeichnen. Die Goldkonzentrationen sind nur gering. Abgesehen von den Schiefervorkommen gibt es in Recht und Umgebung auch keine anderen wirtschaftlich interessanten Bodenschätze.

 

Thomas Servais: Da das Gold am Rande und nicht wie bisher angenommen im Stavelot-Massiv vorkommt, wo sich die ältesten Gesteine Belgiens befinden, wurde immer davon ausgegangen, dass sich das Gold in den jüngeren Gesteinen befindet, also Sedimente aus dem Unter-Devon. Diese Sedimentation begann mit einem Basiskonglomerat, einem dicken Geröll. Viele glaubten, das Gold komme eben aus diesem Geröll oder den darüber liegenden Schichten. Dieses Basiskonglemerat wurde über Jahrhunderte beispielsweise zur Herstellung von Mühlrädern abgebaut.  Davon liegen viele unvollendet oder zerbrochen in Eifeler Gärten oder Parkanlagen. In Recht, gleich hinter dem Stollen, gibt es viele solcher Abbau-Orte, mit teilweise großen Löchern im Boden. Die Bürger in Recht glauben seit Jahrzehnten, dass dort nach Gold gebraben wurde. In Recht wurde im Schieferstollen zudem ein zweiter Stollen angelegt, der so genannte „Goldstollen“. Der „Traum des Goldes“ war somit auch im Schieferstollen präsent.  Aber ausgeträumt! Das Gold befindet sich nicht im Basiskonglomerat, das zeigen neueste Erkenntnisse und wissenschaftliche Studien. Die Arbeiten von Hermann Giesen oder Bruno Van Eerdenbrugh aus Salmchateau beschreiben das Vorkommen von Gold in den keltischen Grabungen. Wenn dieses Gold an einigen Stellen in den Bächen vorkommt, dann muss es von höheren Stellen flussaufwärts eingeschwommen werden. Das sind meist nur wenige Meter oder wenige hundert Meter, aber keineswegs viele Kilometer. Das Gold befindet sich also in der direkten Nähe und stammt nicht immer aus dem Unterdevon.  Es stammt wahrscheinlich aus Quartzgängen, die erst später entstanden sind.  Ich gehe von der „variszischen“ tektonischen Verschiebungsphase aus. Man weiß wo die Quarzgänge sind, also steht nun auch fest wo sich das „Rechter Gold“ befindet. Am 6. April werden wir dieses Geheimnis lüften!

 

 

Gibt es auch heute noch „Goldsucher“ in Ostbelgien?

 

Hermann-Josef Giesen: Die Goldsuche ist in Ostbelgien aus Naturschutzgründen verboten. Insoweit gibt auch keine legalen Goldsucher.

 

 

Was fasziniert(e) die Menschen in Bezug auf Gold?  Hatten die Menschen nicht andere Sorgen?

 

Hermann-Josef Giesen: Die Vorstellung vom Wert des Goldes ist auch heute noch tief in der menschlichen Seele verwurzelt. Daran hat sich in den letzten 10000 Jahren nur wenig verändert. Das wird wahrscheinlich auch noch lange so bleiben.

 

 

Gibt es Dörfer, Städte, Weiler, die auf die „Goldsuche“ hin entstanden sind?

 

Hermann-Josef Giesen: Die Antwort auf diese Frage liegt im Dunkel der Geschichte verborgen. Ja, es kann nicht vollends ausgeschlossen werden, dass erste Ansiedlungen im Amelgebiet auf die Goldsuche zurückgehen, wahrscheinlich ist dies aber nicht.

 

 

Würde ein professioneller Abbau mit heutiger Hightech in Ostbelgien Sinn machen?

 

Hermann-Josef Giesen: Die ostbelgischen Goldvorkommen sind nicht reich genug, um einen Abbau auch mit modernsten Methoden lohnend zu gestalten. Von der Zerstörung der Natur und den damit einhergehenden Folgen ganz zu schweigen. Das ostbelgische Gold ist mehr eine Kuriosität denn ein Wirtschaftsfaktor.

 

 

Was erwartet die Zuhörer bei Ihrem Vortrag im Schieferstollen in Recht?

 

Hermann-Josef Giesen: Neben einem kurzen Abriss über die Geschichte des Goldbergbaus im Amelgebiet stehen die Geologie der Region und ihrer Goldvorkommen sowie die Eigenschaften und die Herkunft des ostbelgischen Goldes im Mittelpunkt des Vortrags. Die Geologen Dr. Thomas Servais und Jean-Marc Marion werden dabei auch auf die neuesten Ergebnisse der geologischen Spezialkartierung der Umgebung von Recht eingehen.  Jean-Marc Marion von der Uni Lüttich wird zudem die neue geologische Karte von Recht vorstellen.

 

Thomas Servais: Es ist eine spannende Geschichte.  Wie sagt der Volksmund? „A Rett‘, a Rett‘ – Ousk’on s’y trouv‘ du l’or – a nokette!“ Goldvorkommen sind schon lange bekannt, die Kelten haben hier geschürft. Dazu gibt es noch immer im Rechter Wald die Beweise durch Schürfhalden, so wie auch in Montenau, Eibertingen, Schoppen und vielen anderen Orten auch.  Und Caesar hat Gallien überfallen, weil er das Gold von den Kelten haben wollte, und das Gold war … im Schlommefurth! Ist das wirklich so?  Wir liefern die Antworten darauf.

 

Weitere Infos unter www.schieferstollen-recht.be

 

Aufgrund des begrenzten Platzangebotes wird um Anmeldung unter Tel: +32(0)80 57 00 67, Handy: +32(0)479 63 48 75 oder Email info@schieferstollen-recht.be gebeten.